Speyer 1543. Köln 1580. Freiherren seit 1741.
»Jeder deiner Vorfahren hat dir etwas zu sagen.« — Karl Pellmann, Die Familie Hertmanni, Cleve 1928
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Vierzehn dokumentierte Generationen. Von Endriß Herman, Schmied in Speyer, bis in die Gegenwart.
Sechs Ölgemälde
Sechs Ölportraits aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert befinden sich in Privatbesitz. Zwei durch Pellmann (1928) identifiziert.
Portraits I und II: Pellmann, 1928, S. 71/74. Portrait III (Baron mit Kollenburg) in Familienbesitz bis c.1995. IV–VI in Bangkok.
Heraldik
In Rot ein schreitender Hirsch in Silber, begleitet von drei blauen Sternen.
Helm: wachsender roter Hirsch zwischen offenem Flug.
Decken: Rot und Silber. Motto: IN TE DOMINE CONFIDO.
Stammsitz der Familie · 1737 — 1799
Hausbroicher Straße 222, 47877 Willich. Das einzige Gebäude der Familie, das noch steht — und das Letzte, das für sie gebaut wurde, bevor der Name verschwand.
Als Wilhelm Josef Freiherr von Hertmanni im Jahr 1737 Haus Broich erwarb, war er gerade Freiherr geworden. Der Kauf war eine Erklärung: ein Mann von Stand braucht einen Sitz. Er wählte dieses Wasserschloss auf dem platten Land zwischen Anrath und Willich — bescheiden im Vergleich zu den Kurfürstlichen Schlössern in Brühl und Bonn, die er kannte, aber sein.
Hier wurde am 21. August 1778 Ludovica Franziska Freiin von Hertmanni geboren — das letzte Kind, das den Namen Hertmanni trug. Ihr Vater, der Baron Johann Wilhelm Josef, starb im September desselben Jahres. Sie wuchs auf Broich auf, heiratete hier am 26. August 1799, und starb hier am 2. Juli 1816. Drei Generationen — Erwerb, Geburt, Tod — in sechzig Jahren auf demselben Gut.
Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte das Anwesen den Besitzer und wurde in seiner heutigen Form 1898 von Architekt Theodor Roß nach alten Plänen neu errichtet. Das Torhaus mit dem Allianzwappen der Familie blieb erhalten und steht unter Denkmalschutz.
Das Wappen am Tor zeigt links das erweiterte Hertmanni-Wappen nach 1741 mit Freiherrnkrone, rechts das Wappen der ersten Frau des Barons. Das Mottoband: DOMINE CONF[IDO]. Heute ist das Haupthaus die Privatschule Carpe Diem.
Weitere stehende Gebäude
Kollaterales Netzwerk
Dr. Johann Michael Hertmanni war kein isolierter Kölner Jurist — er war Treuhänder, Notar und Vertrauensmann des führenden katholischen Rheinlandadels. Zugleich führte die Blanckenberg-Familie, in die er einheiratete, zu den höchsten Kreisen der katholischen Gelehrtenwelt.
Als Dr. Hertmanni 1646 Anna Blanckenberg heiratete, heiratete er in eine der bemerkenswertesten Familien des katholischen Köln ein. Ihr Bruder Johannes Blanckenberg war gleichzeitig Abt der Zisterzienser in Altenberg, Rektor der Universität Köln und persönlicher Freund des päpstlichen Nuntius Fabio Chigi — der 1655 Papst Alexander VII. wurde. Johannes und sein Bruder Caspar waren Trauzeugen bei der Hochzeit. Die Familie war aus Holland eingewandert.
Quelle: Buhlmann, Die Hofräte Fabri/Fabry in Kurköln, S. 145–146. Primärquelle
Dr. Hertmanni hinterlegte 1655 einen Geldbetrag als Treuhänder für die Familie von Velbrück zu Garath. Vierzehn Jahre lang verwaltete er dieses Vermögen, bis er 1669 die Auszahlung an die Erben — darunter Adolf Alexander Freiherr von Hatzfeldt — vollzog. Das Original liegt im Fürstlichen Archiv auf Schloss Schönstein.
Historischer Kontext
Die Familie von Hertmanni stieg auf in einer Stadt mit zwei Gesichtern — und fiel mit dem Ende des Systems, das sie hervorgebracht hatte.
Köln war gleichzeitig Freie Reichsstadt und Zentrum eines der mächtigsten Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches. Der Erzbischof-Kurfürst — ab 1583 fast durchgehend ein Wittelsbacher — residierte in Bonn und in Brühl: genau dem Ort, an dem die Hertmanni als Amtsverwalter ihre Karrieren aufbauten.
Die beiden entscheidenden Dokumente der Familie wurden von Wittelsbacher Brüdern unterzeichnet: Clemens August (Truchseß 1726) und Karl Albrecht (Freiherrenstand 1741). Karl Albrecht wurde kurz darauf Kaiser Karl VII.
Johann Andreas Hertmanni, Amtsverwalter Brühl, verweigerte den Eid im Dezember 1797 und verlor sein Amt. Köln fiel an Frankreich am 6. Oktober 1794. Der letzte Brühler Zweig erlosch 1832.
In Arbeit
Im Frühjahr 2025 saß ein Mann in Bangkok am Ufer des Chao Phraya und las zum ersten Mal das Buch, das Karl Pellmann im Oktober 1928 vollendet hatte. Er war der vierzehnte direkte Nachfahre jener Familie, deren Geschichte Pellmann aufgezeichnet hatte. Er wußte es damals noch nicht mit Sicherheit. Er ahnte es.
Was folgte, war anderthalb Jahre Arbeit. Die Nachrichtenquellen fließen heute reicher als in Pellmanns Tagen — und doch gilt, was er schrieb: der Stoff wuchs unter der Arbeit. Es sind Verbindungen entdeckt worden, von denen niemand vorher etwas ahnte.
Die wichtigste: Eine Schwester des Freiherrn verließ Köln 1701 und heiratete in Jülich einen Eisenwerksbesitzer aus Luxemburg. Nach dessen Tod führte sie drei Hochöfen allein. Dann heiratete sie ein zweites Mal in den ältesten Herrschaftssitz der Gegend von Durbuy — und das Schloß steht noch.
Köln und Bangkok, 2026. — Florian Baptist Gypser.
Von Hertmanni — Vierzehn Generationen
Ein Buch über eine Kölner Familie, die 1580 als Brauer begann, 1741 Freiherren wurden, 1799 in einem Revolutionsdokument Ackersleute hießen — und deren Blut heute in Bangkok weiterläuft.
Primärquellen
Forschungskontakt
Florian Baptist Gypser
Geboren am 6. November 1974 in Wien. Architektur- und Designausbildung. Seit 2004 in Bangkok, Thailand — am Ufer des Chao Phraya. Unternehmer und Autor.
Er ist der vierzehnte direkte Nachfahre von Michael Hermans, der am 6. Januar 1580 — Dreikönigstag — als neuer Bürger in Köln eingetragen wurde. Der erste, der diese Linie vollständig dokumentiert hat.
Die Forschung begann 2025 mit Karl Pellmanns Buch von 1928 — einem Buch, von dem er nicht wusste, dass es existierte, bis er es fand. Seither wurden Archive in München, Wien, Düsseldorf, Paderborn, Münster und Lüttich konsultiert, Kirchenbücher des 17. Jahrhunderts entziffert und Schlossbesitzer in Belgien kontaktiert.
Seine Großmutter Ingeborg Obergethmann, Modedesignerin in Wien, starb 2021 im neunundneunzigsten Lebensjahr. Sie hatte die Familiengeschichte über Jahrzehnte bewahrt. Dieses Buch ist für sie.
Wenn Sie Dokumente, Photographs oder genealogische Informationen zu den Familien von Hertmanni, de Cassal, de Piret, Byll, von Siegenhoven, Obergethmann, Blanckenberg, von Graß, von Oidtmann, de Merode oder verwandten Linien besitzen — bitte melden Sie sich.
Laufende Schwerpunkte (Sommer 2026): HAK Köln; Château de Grand-Han / Le Fort-Manuskripte; Archives de l'État à Liège; Forschungsreise Juli 2026. Konferenz Leuven: September 2026.