von
Hertmanni

Eine Kölner Patrizierfamilie. Freiherren seit 1741.

Köln, 1613 — Bangkok, 2026

»Die große Herrlichkeit der Familie, die der Vater begründet hatte, ging mit seinem Sohn wieder verloren.«
— Karl Pellmann, Die Familie Hertmanni, 1928

I — XIV

Die Linie

Vierzehn dokumentierte Generationen. Von Michael Hermantz, Ratsherr zu Köln, bis in die Gegenwart.

Gen. I
Michael Hermantz
c. 1580 — 1638
Ratsherr zu Köln seit 1613. Verheiratet mit Gertrud Lingen. Frühester dokumentierter Vorfahre der Familie. Der Name Hermantz ist die ältere Form — später latinisiert zu Hertmanni.
Gen. II
Andreas Hermantz
c. 1610 — ?
Verheiratet mit Margarethe Breyen, Tochter von Hermann Breyen und Margarethe Dahlhoff. Kölner Bürgerfamilie.
Gen. III
Johann Michael Hermantz alias Hertmanni
c. 1615 — nach 1670
Doctor juris. Kurtrierischer, Pfalzneuburgischer und Kurkölinischer Geheimer Rat. Syndicus der jülichschen Landstände. Besitzer von Gütern zu Bochem und Auenheim. Heirat am 26. Juni 1646 mit Anna Blankenberg, Erbin zu Bochem und Auenheim, Tochter von Walram von Blankenberg, Schöffe zu Niederich.
Gen. IV
Johann Bernhard Hertmanni
bapt. 1. Mai 1647 St. Alban, Köln — c. 1680
Dr. jur. Kurköln. Hofgerichtskommissar und Appellationsgerichtskommissar. Wohnhaft im Haus Zum Overstolz, Eigelstein 51, Köln — eines der ältesten Häuser der Stadt, heute noch stehend, 1663 umgebaut durch seinen Schwiegervater. Taufpaten: der Abt von Altenberg und Dr. Caspar Blankenberg, Brüder der Mutter. Heirat am 8. Februar 1671 in St. Cunibert mit Gertrud Wolf von Weidenfeld (geb. 14. Dez. 1647, gest. 15. Sept. 1695), Tochter von Senator Johann Wolf von Weidenfeld und Gertrud Kinckius. Vier Kinder, alle bei seinem frühen Tod unmündig. Vormund: zunächst der Kanonikus Wilhelm Hertmanni, ab 1696 Bürgermeister Petrus Nicolaus von Krufft. Quelle: Pellmann, Die Familie Hertmanni, S. 64–68.
Gen. V
Wilhelm Josef Freiherr von Hertmanni
9. August 1676 — 1749
1. Freiherr. Schöffe zu Bonn. Herr zu Groß- und Klein-Kollenburg, Norbisrath, Houff. Erhebung in den Reichsadelsstand 1715; Churkölnischer Truchseß 1726; Erhebung zum Reichsfreiherren 19. Juni 1741 durch Herzog Carl Albrecht von Pfalzbaiern als Reichsvikar. Erste Ehe mit Anna Catharina von Vorst zur Houff; zweite Ehe 1733 mit Anna Margarethe von Graß.
Gen. VI
Johann Wilhelm Josef Freiherr von Hertmanni
15. März 1704 Köln — 21. September 1778 Haus Broich
Der Baron. Letzter männlicher Sproß der freiherrlichen Linie. Herr zu Groß- und Klein-Kollenburg, Norbisrath, Casbach und Broich. Erwarb Haus Broich 1737/38 für 10.450 Reichsthaler. Churkölnischer Truchseß ab 1726.

Im Februar 1742 reiste er zur Krönung Kaiser Karls VII. nach Frankfurt — mit einem prächtigen Viergespann, dessen Pferde er mit silbernen Hufen hatte beschlagen lassen. Er hoffte, kaiserlicher Kammerherr zu werden. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Um die Reise zu finanzieren, verkaufte er Norbisrath und Casbach. 1758 plünderten hannoversche Husaren die Kollenburg im Siebenjährigen Krieg; er verlor das Gut durch Prozesse.

Erste Ehe 1730 mit Maria Aleidis von Schönheim (geb. 1685, gest. 12. Feb. 1776, kinderlos). Zweite Ehe 1777 mit der 32 Jahre jüngeren Maria Theresia Freiin von Siegenhoven gen. Anstel. Starb am 21. September 1778 — ein Jahr nach der zweiten Heirat. »Die große Herrlichkeit der Familie, die der Vater begründet hatte, ging mit seinem Sohn wieder verloren.« (Pellmann, S. 77)
Gen. VII
Ludovica Franziska Freiin von Hertmanni
21. August 1778 Haus Broich — 2. Juli 1816 Haus Broich
Letzte ihrer Linie. Getauft am 24. August 1778 in Willich. Paten: ihr Onkel Franz Joseph de Siegenhoven und Ludovica Francisca Josephina de Eynatten nata von Mirbach.

Heirat am 26. August 1799 (10. Fructidor, Jahr VII der Fränkischen Republik) mit Carl Maximilian Byll aus Wegberg. Im Heiratsakt — ausgestellt unter dem Régime der Französischen Republik — heißt sie schlicht »Ludovica Francisca Hertmanni, Ackersleute«. Alle Adelstitel wurden gestrichen. Zeugen: Karl Leopold Byll und Ferdinand Wilhelm Oldtman, Vetter des Bräutigams.

Gestorben an den Folgen eines Schlaganfalls im 38. Lebensjahr. Totenzettel: »Die hochwohlgeborene Luise Franzisca Byll, geb. von Hertmanni [...] mit allen Heilsakramenten der Sterbenden versehen. Sie ruhe in Frieden.« Mit ihr erlischt der Name Hertmanni.
Gen. VIII
Wilhelm Joseph Byll
25. Mai 1800 — 1. September 1851
Rittergutsbesitzer zu Broich bei Anrath. Heirat 1834 mit Maria Anna von Oidtmann aus dem Hause Hottorf.
Gen. IX
Alwine Byll
25. Januar 1836 Haus Broich — 8. August 1918 Bonn
Geboren auf Haus Broich. Das einzige Kind von Wilhelm Josef Byll und Maria Anna von Oidtmann. Nach dem Tod ihres Vaters 1851 und dem Verkauf von Haus Broich 1865 zog sie nach Bonn. Heirat 1870 zu Godesberg mit Hermann Brasse (geb. 9. Juni 1832 Siegen, gest. 25. Okt. 1882 Neuwied), Königlicher Bergassessor. Zwei Kinder: Elisabeth (1871) und Eduard (1872–1876). Alwine trat zur altkatholischen Kirche über und lebte nach dem Tod ihres Mannes in der Endenicher Allee 3, Bonn.
Gen. X
Charlotte Elisabeth Brasse
27. August 1871 Neuwied — nach 1928
Tochter von Hermann Brasse und Alwine geb. Byll. Trägerin des Hertmanni-Blutes in siebter Generation. Heirat am 22. Juni 1895 in Bonn mit Friedrich Ludwig Obergethmann (geb. 4. Nov. 1863 Isselburg, Premier-Leutnant, später Oberstleutnant a.D.), Sohn von Dr. med. Friedrich Wilhelm Martin Obergethmann und Dorothea geb. Hagemann, Isselburg.

Trauzeuge: Carl von Oidtman — derselbe von Oidtman, der die Hertmanni-Genealogie in Fuerths Geschichte der Geschlechter kompiliert hatte. Er war als Verwandter durch die von Oidtmann-Byll-Verbindung persönlich anwesend. Nach der Hochzeit zog das Paar in das Haus der Mutter: Endenicher Allee 3, Bonn. »Sie sind in Besitz mehrerer alter Familiengemälde und Familienpapiere der freiherrlichen Linie.« (Pellmann, S. 84)
Gen. XI
Eduard Lucian Bodo Obergethmann
30. April 1898 Paderborn — 13. April 1943
Oberstleutnant. Ritterkreuzträger. Kaufmann in Wien. Gestorben in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Erste Ehe 1924 mit Mathilde Eder (1901–1967) — zwei Töchter: Gertraud (1925) und Ingeborg (1927). Zweite Ehe 1936 mit Margarete Landmann in Dallgow. Mathilde Eder heiratete nach der Scheidung ca. 1939 Kurt Marchesani (1906–1985); gemeinsamer Sohn Kurt Joerg Marchesani (1939–2015).
Gen. XII
Ingeborg Obergethmann
17. September 1927 Wien — 27. Dezember 2021
Tochter von Eduard und Mathilde Eder. Schwester von Gertraud Obergethmann (geb. 19. April 1925), die 1953 Danilo Rosina (1925–1995) heiratete. Halbbruder: Kurt Joerg Marchesani (1939–2015), Sohn von Mathilde Eder und Kurt Marchesani.

Ingeborg arbeitete als Modedesignerin im Wien der 1950er und 60er Jahre. Sie trug die Familiengeschichte — Namen, Geschichten, Portraits — über Jahrzehnte weiter und gab sie an ihre Tochter und ihren Enkel weiter. Ihre Eintragung in der Pellmann-Genealogie (1928) ist handschriftlich ergänzt: »Dorothea Obergethmann 1. 11. 1946 in Wien« — ihre Tochter, nachträglich in das gedruckte Familienarchiv eingetragen.
Gen. XIII
Dorothea Maria Obergethmann
1. November 1946 Wien — 25. Februar 2004
Tochter von Ingeborg Obergethmann. Ehe mit Dipl.-Ing. Peter Gypser (9. März 1942 — 2018) geschieden. Gestorben in Wien. Beigesetzt am Gersthofer Friedhof, Wien — Gruppe 1, Reihe 3, Nummer 8.
Gen. XIV
Florian Baptist Gypser
6. November 1974 — now
Sohn von Dorothea Maria Obergethmann und Dipl.-Ing. Peter Gypser. Architektur- und Designhintergrund aus Wien. Initiator dieser Familienforschung.

Sechs Ölgemälde

Die Portraits

Sechs Ölportraits aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert befinden sich in Privatbesitz. Die Zuschreibung an bestimmte Vorfahren ist Gegenstand laufender Forschung.

I
Wilhelm Josef
Freiherr von Hertmanni
Pellmann Nr. 139 · Bangkok
II
Anna Katharina
geb. von Borst
Pellmann Nr. 139 · Bangkok
III
Johann Wilhelm Josef
Freiherr von Hertmanni
Pellmann Nr. 140 · verkauft c.1995
IV
Unbekannt
Bangkok · 18. Jh.
V
Unbekannt
Bangkok · 18./19. Jh.
VI
Unbekannt
Bangkok · 18./19. Jh.

Portraits I und II identifiziert durch Pellmann, Die Familie Hertmanni, 1928 — Photographien S. 71/74. Portrait III (Baron mit Kollenburg im Hintergrund) in Familienbesitz bis c.1995. Portraits IV–VI in Bangkok, Zuschreibung ausstehend.

Heraldik

Das Wappen

Siebmacher Wappenbuch 1857, Tafel 57 — Hertmanni

In Rot ein schreitender Hirsch in Silber, begleitet von drei blauen Sternen, zwei oben, einer unten.

Helm: ein wachsender roter Hirsch zwischen offenem Flug — rechts silbern, links blau.

Decken: Rot und Silber.

Quelle: J. Siebmacher's Großes und Allgemeines Wappenbuch, 1857
Preußischer Adel Bd. III — Tafel 57 — »Hertmanni · aus Köln stammend · gefreit 19 Juni 1741«
Bestätigt: Der Herold, 1876; Fuerth, Geschichte der Geschlechter (v. Oidtman)
Weitere Quellen: Berndt Tafel 55; Tyroff XI, 31
Standeserhebung
Reichsfreiherrenstand durch Diplom vom 19. Juni 1741, ausgestellt durch Herzog Carl Albrecht von Pfalzbaiern als Reichsvikar, für Wilhelm Josef von Hertmanni zu Groß- und Klein-Kollenburg.
Ursprüngliches Wappen
Silbernes Feld, roter springender Hirsch von zwölf Enden, drei blaue Sterne. Geführt vor der Standeserhebung als Kölner Patrizierfamilie.
Erweitertes Wappen (1741)
Geviert: oben rechts rotes Feld mit goldenem Schildchen; oben links blaues Feld mit zwölf goldenen Sternen (4,4,4); unten: ursprüngliches Wappen mit flüchtendem Hirsch.
Physischer Bestand — bestätigt 2026
Das Allianzwappen am Eingangsportal von Haus Broich (Toreinfahrt) ist fotografisch dokumentiert und 2026 identifiziert. Linker Schild: erweitertes Hertmanni-Wappen nach 1741 mit Freiherrnkrone — goldenes Schildchen auf rotem Feld (oben rechts), blauer Hirsch mit Sternen (unten links). Rechter Schild: blaue Blütenpflanze auf Gold — vermutlich von Schönheim (erste Frau des Barons, ⚭ 1730). Mottoband: DOMINE CONF[IDO]. Fotografie: Herbert Gehlen / über Franz-Josef Jansen.

Sieben stehende Gebäude

Die Gebäude

Erhalten · Besuchbar
Haus Broich
Hausbroicher Str. 222, 47877 Willich
Haus Broich, Herrenhaus, 1915. Erwin Quedenfeldt.
Hauptsitz der Familie. Erworben 1737/38 für 10.450 Reichsthaler. Hier wurde Ludovica Franziska am 21. August 1778 geboren — die letzte Trägerin des Namens. Das Familienwappen ist am Eingangsportal erhalten. Heute Privatschule Carpe Diem.
HERTMANNI-BESITZ 1737 — 1799 · Foto: Erwin Quedenfeldt, 1915 (Wikimedia Commons, PD)
Erhalten · Besuchbar
Wasserburg Anstel
Wasserburgstraße 30, 41569 Rommerskirchen
Stammsitz der Familie von Siegenhoven gen. Anstel — der Vorfahren mütterlicherseits von Ludovica Franziska. Der Wappenstein von 1722 ist über dem Eingang erhalten. Barocker Umbau durch Ernst Heinrich Stephan von Siegenhoven, Taufpate von Ludovica Franziska.
VON SIEGENHOVEN · WAPPENSTEIN 1722
Erhalten · Besuchbar
Hof Obergethe
Auf der Gethe 4, 45549 Sprockhövel
Der Ursprungshof des Familiennamens Obergethmann. Hans Peter Blomeradt wurde hier am 15. Juni 1701 geboren — als »Johannes Peter Blomerad auf der Oberen Geten Kirspels Sprockhövel«. Der historische Kotten ist erhalten. Heute Reitanlage der Familie Dölger.
OBERGETHMANN-URSPRUNG · AB 1700
Erhalten · Besuchbar
St. Foillan
Pontstraße, Aachen
Taufkirche der Familie von Berg (Aachen). Vier aufeinanderfolgende Generationen wurden hier getauft — Carolus (1641/42), Henricus (1671), Adam Wilhelm (1700) und weitere. Die Taufbücher, zitiert mit Bandnummern und Seitenzahlen, befinden sich im Bistumsarchiv Aachen.
VON BERG TAUFEN 1641 — 1706
Ruine · Besuchbar
Nürburg
Nürburg, Eifel
Stephan von Siegenhoven gen. Anstel war 1480 Vogt auf der Nürburg — militärischer Gouverneur der Eifelburg. Direkter Vorfahre. Die mittelalterliche Burganlage ist erhalten, angrenzend an den Nürburgring.
VON SIEGENHOVEN VOGT 1480
Erhalten · UNESCO
Festung Ehrenbreitstein
Koblenz
Carl Caspar von Schönebeck — Sohn von Anna Catharina Wilhelmina Hertmanni — heiratete hier am 21. Mai 1734 Anna Clara Sartout. Hier starb auch Clemens August von Bayern, Kurfürst-Erzbischof von Köln, 1761 — der Landesherr der Familie Hertmanni.
SCHÖNEBECK-HERTMANNI 1734
Aktive Pfarrkirche
Nettesheim Kirche
Nettesheim, Rommerskirchen
Begräbniskirche der Familie von Siegenhoven. Johannes von Siegenhoven und seine Frau Anna Krebs sind hier begraben — direkte Vorfahren durch die Linie von Siegenhoven gen. Anstel. Fünf Kilometer von Wasserburg Anstel entfernt.
VON SIEGENHOVEN BEGRÄBNISSE

Kollaterales Netzwerk

Das Netzwerk

Dr. Johann Michael Hertmanni (Gen. III) war kein isolierter Kölner Jurist — er war Treuhänder, Notar und Vertrauensmann des führenden katholischen Rheinlandadels. Zwei Archivfunde aus dem Jahr 2026 belegen sein Handeln im Zentrum eines Netzwerks, das sich von der Ahr bis zum Niederrhein erstreckte.

Am 26. August 1655 hinterlegte Dr. Hertmanni vor dem Kölner Notar Johann Jakob Latomus einen Geldbetrag im Auftrag der Familie von Velbrück zu Garath. Vierzehn Jahre lang verwaltete er dieses Treuhandvermögen — bis er am 19. November 1669 vom Offizialis zu Köln die Ermächtigung zur Auszahlung erhielt.

Die Empfänger: Sophie Magdalena von Velbrück (Stiftsfräulein, St. Marien im Kapitol, Köln), Anna Isabella von Velbrück (Pröpstin, Rellinghausen), Maria Witwe von Hatzfeldt geb. von Velbrück — und ihr Sohn Adolf Alexander Freiherr von Hatzfeldt, der am 25. Januar 1670 quittierte. Das Original wird im Fürstlichen Hatzfeldt-Wildenburg'schen Archiv auf Schloss Schönstein (Sieg) verwahrt.

Ein Eintrag von 1678 im Dyck-Archiv (Vereinigte Adelsarchive im Rheinland) nennt das »Merkensgut zu Gruissen« in Verbindung mit der »Witwe Hertmanni« — fast sicher Anna Blankenberg, Witwe des Dr. Hertmanni nach dessen Tod ca. 1671–1678.

Gruissen (heute Grissen, Gemeinde Rees, Kreis Kleve) liegt am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze — ein bisher völlig unbekanntes Hertmanni-Gut. Sein Vorhandensein zeigt, dass die Familie Grundbesitz weit über Köln, Brühl und die Kasbach hinaus besaß.

Die verbundenen Familien (dokumentiert 1278–1670)
Velbrück · Hatzfeldt · Palant
Von Velbrück zu Garath
Garath, Düsseldorf · Stift Rellinghausen · St. Marien im Kapitol
Maria von Velbrück (geb. 1624 Garath, gest. 1711) ⚭ 1643 Wilhelm von Hatzfeldt-Wildenburg. Ihr Sohn Adolf Alexander von Hatzfeldt (geb. 1644, gest. 1721) quittierte Dr. Hertmanni am 25. Januar 1670 seinen Erbanteil. Adolf Alexander heiratete im selben Jahr Anna Maria Barbara von Palant — Erbin eines Teils von Wildenburg.
SCHÖNSTEIN NR. 2715 · 1669–1670
De Merode · Von Palant · Van Boetzelaer
De Merode
Koslar · Schlossberg · Limburg · Burtscheid (Aachen)
Das Haus de Merode ist seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert. Jean de Merode (gest. 3. April 1278) ⚭ Beatrix von Gymnich; Edmund de Merode (gest. 11. Juli 1319); Arnold de Merode ⚭ Agnes von Palant (erste Merode-Palant-Verbindung, ca. 1350); André de Merode (gest. 1392), Burggraaf van Limburg und Vogt von Burtscheid. Die Linie verbindet sich nach sieben weiteren Generationen über Anna Elisabeth Gertrud de Merode (⚭ 1644 Marsilius von Palant) mit dem Hatzfeldt-Velbrück-Netzwerk.
DOKUMENTIERT 1278 — 1670
Van Boetzelaer · Van de Poll
Van Boetzelaer
Slot Boetzelaer · Calcar · Leeuwen (Guelders)
Gertrud van Boetzelaer (gest. 18. Dezember 1637), Tochter von Dirk van Boetzelaer (gest. 1599) ⚭ Geertruid van de Poll (Vrouwe van Leeuwen, gest. 1601), heiratete Johann Degenhard de Merode. Die van Boetzelaer-Linie verbindet das niederrheinische Niederland (Calcar, Rees) mit dem Hatzfeldt-Netzwerk — geografisch genau die Region, in der das Merkensgut zu Gruissen der Witwe Hertmanni lag.
NIEDERRHEIN · GUELDERS
Von Gymnich · Von Harff · Von Quadt
Von Gymnich
Schloss Gymnich, Erftstadt · Burg Harff, Bedburg · Wickrath
Die von Gymnich heirateten in zwei aufeinanderfolgenden Generationen in die de Merode-Linie: Jutta von Gymnich und Beatrix von Gymnich (13. Jahrhundert). André de Merode heiratete Elisabeth von Harff (Burg Harff, Bedburg). Degenhard de Merode heiratete Elisabeth von Quadt zu Wickrath (Wickrath, heute Mönchengladbach) — unmittelbar neben den Hertmanni-Gütern bei Brühl und Vochem.
13.–17. JAHRHUNDERT
Von Wolff-Metternich · Von Schönheim
Von Wolff-Metternich zur Gracht
Schloss Gracht · Lechenich · Strauweiler
Katharina Margarethe verw. Freiin von Wolff-Metternich geb. von Velbrück erscheint in Schönstein Nr. 2715 als Velbrück-Schwester, deren Unterschrift noch ausstand. Die Verbindung zur Familie Hertmanni setzt sich fort: Franz Wilhelm von Schönheim zu Metternich ⚭ Catharine Heufft — deren Tochter Maria Aleidis von Schönheim heiratete 1730 den Baron Johann Wilhelm Josef Freiherr von Hertmanni (kinderlose erste Ehe).
KURKÖLN · 17.–18. JH.
Kirchenbuch BA 0072 · 1740
St. Johann Baptist, Anrath
Anrath, Willich · Landesarchiv NRW
Das Taufregister BA 0072 (1726–1801) wurde 2026 vollständig durchsucht. Ludovica Franziska Freiin von Hertmanni (geb. 21. August 1778) ist im allgemeinen Register nicht verzeichnet — Bestätigung der separaten Adels-Beurkundung. Dagegen erscheint ca. 1740 ein Eintrag mit Taufpate »Josephus de Hartmann« — vermutlich der Baron Johann Wilhelm Josef Freiherr von Hertmanni, Herr zu Haus Broich, als Pate einer Nachbarfamilie (de Rigsweil).
REGISTER BA 0072 · 1726–1801

Historischer Kontext

Köln im Reich

Die Familie von Hertmanni stieg auf in einer Stadt mit zwei Gesichtern — und fiel mit dem Ende des Systems, das sie hervorgebracht hatte.

Köln war gleichzeitig Freie Reichsstadt und Zentrum eines der mächtigsten Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches. Der Erzbischof-Kurfürst von Köln — ab 1583 fast durchgehend ein Wittelsbacher — residierte seit 1597 in Bonn und im Schloss Augustusburg in Brühl: genau dem Ort, an dem die Hertmanni als kurfürstliche Amtsverwalter ihre Karrieren aufbauten.

Das Stapelrecht von 1259 hatte Köln über Jahrhunderte zum wichtigsten Umschlagplatz des Rheinhandels gemacht. Doch im 18. Jahrhundert stagnierte die Stadt bei ca. 40.000 Einwohnern — während Amsterdam, Wien und Paris sie längst überflügelt hatten.

Der Verbundbrief von 1396 — Kölns erste geschriebene Verfassung — verteilte die Macht auf 22 Gaffeln und blieb bis zu seiner Abschaffung durch die Franzosen am 26. Mai 1796 in Kraft.

Frankfurt
Die Krönungsstadt der Kaiser — hier wurde Karl VII am 12. Februar 1742 gekrönt. Sein Bruder Clemens August, Erzbischof-Kurfürst von Köln, setzte die Krone auf. Als Reichsvikar hatte Karl Albrecht von Bayern kurz zuvor — am 19. Juni 1741 — Wilhelm Josef von Hertmanni in den Reichsfreiherrenstand erhoben.
Krönung Kaiser Karls VII. im Frankfurter Dom, 1742
Krönung im Frankfurter Dom, 1742 · Wikimedia Commons, PD
Wien
Die Habsburger Residenz ohne verfassungsmäßige Hauptstadtfunktion. Der Reichshofrat in der Hofburg entschied über Adelserhebungen, Privilegien und Streitigkeiten — direkte Verbindung zu den Hertmanni-Diplomen.
München · Bonn · Brühl
Die Wittelsbach-Achse. Die Hertmanni dienten dem Kurfürsten-Erzbischof von Köln — einem Wittelsbacher — als Amtsverwalter in Brühl. Schloss Augustusburg (ab 1725, von Cuvilliés), Schloss Falkenlust, Schloss Poppelsdorf in Bonn: das Versailles des Rheinlands, wenige Kilometer vom Hertmanni-Stammgut entfernt.
Feuerwerk zur Krönung Karls VII., Hamburg 1742. Christian Fritzsch.
Feuerwerk zur Krönung Karls VII., Hamburg 1742 · Christian Fritzsch · Wikimedia Commons, PD
Das Ende · 1794–1832
Französische Truppen besetzten Köln am 6. Oktober 1794. Johann Andreas Hertmanni, Amtsverwalter Brühl, verweigerte den Eid im Dezember 1797 und verlor sein Amt. Das Kurfürstentum Köln wurde säkularisiert. Die letzte Trägerin des Namens Hertmanni, Ludovica Franziska, starb 1816. Der letzte Brühler Zweig erlosch 1832 — nach 186 Jahren in Brühl.

In Arbeit · Erscheinung 2028/2029

Das Buch

Von Hertmanni — Vierzehn Generationen

Von einem Kölner Ratsherrn 1613 bis Bangkok 2026 — vierzehn Generationen, siebzehn Archive, eine offene Frage. Wer war der amerikanische Soldat namens Lenny, der 1946 in Wien eine Tochter hinterließ?

I Der Ratsherr · 1613
II Das Silber · 1655 Das Silber · 1655
III Haus Overstolz · 1671
IV Das Diplom · 1741
V Silberne Hufen · 1742
VI Ackersleute · 1799
VII Hof Obergethe · 1700
VIII Der Schmied · 1863
IX Carl von Oidtman · 1895
X Der Leutnant · 1915
XI Wien · 1924
XII Die Modedesignerin
XIII Lenny · 1946
XIV Bangkok · 2026

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Primärquellen

Das Archiv

Wappenbuch
J. Siebmacher's Großes und Allgemeines Wappenbuch — Tafel 215, »Hertmanni (Hermanns)«
1857
Zeitschrift
Der Herold — »Hertmanni«, mit Zusatz zur Genealogie von v. Oidtman
1876
Genealogie
Fuerth, Geschichte der Geschlechter — »VI. v. Hertmanni«, kompiliert von E. von Oidtman anhand der Familienakten
c. 1880–1900
Familiengeschichte
Karl Pellmann — »Die Familie Hertmanni«, 497 Seiten, Cleve — Digitalisierung läuft (ULB Düsseldorf & ULB Bonn)
1928
Rechtsdokument
Stadtarchiv Linz am Rhein, Nr. 183a — Freiherr von Hertmanni wider den Pastor zu Linz, Zehntstreit Hof Stade in der Kasbach
1749/50
Nachlass
Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 1049 — Hertmanni, Familie (Nachlass Pellmann/Schellmann, Stammbäume und Bilder)
Unerschlossen
Adelsakte
Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien — Reichsfreiherren-Diplom vom 19. Juni 1741, mit gemaltem Wappen
1741
Kirchenbuch
Bistumsarchiv Aachen — St. Peter Wegberg, Taufen 1774 (Byll); St. Foillan Aachen, Taufen 1641–1706 (von Berg)
17.–18. Jh.
Urkunde — Neufund 2026
Fürstliches Hatzfeldt-Wildenburg'sches Archiv, Schloss Schönstein — Nr. 2715: Dr. Hertmanni als Treuhänder (Depositar) für die Familien von Velbrück und von Hatzfeldt. Notarielle Hinterlegung 1655, Abrechnung 1669–1670
1669
Gutsakte — Neufund 2026
Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Dyck02 / Blaue Bände Nr. 216 — »Das Merkensgut zu Gruissen (Witwe Hertmanni)« — bisher unbekanntes Hertmanni-Gut am Niederrhein (Rees), verwaltet von Anna Blankenberg, Witwe des Dr. Hertmanni
1678
Monographie — Primärquelle
Karl Pellmann, Die Familie Hertmanni, 497 Seiten — Cleve 1928. Vollständige Genealogie der freiherrlichen Linie mit Primärquellen aus Kirchenbüchern, Schreinsregistern, Düsseldorfer Staatsarchiv. Digitalisierung läuft (ULB Düsseldorf, Ticket ULBD-2026041744023)
1928
Standesamtsurkunden
Stadtarchiv Münster — Heiratsregister 1893 Nr. 335: Ludwig Obergethmann ⚭ Caroline von Basse (Eltern von Friedrich Obergethmann bestätigt: Dr. med. Friedrich Wilhelm Martin Obergethmann und Dorothea geb. Hagemann, Isselburg)
1893
Standesamtsurkunden
Standesamt Bonn — Heiratsregister 1895 Nr. 64: Friedrich Obergethmann ⚭ Charlotte Brasse (Mutter der Braut: Albine geb. Byll — Enkelin der Ludovica Franziska von Hertmanni). Trauzeuge: Carl von Oidtman, Genealoge der Familie Hertmanni
1895
Entnazifizierungsakte — Neufund 2026
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland — NW 1034 / SBE Wehrmacht-Ausschuss Nr. 1278: Entnazifizierung Friedrich Obergethmann, geb. 04.11.1863, Oberstleutnant (direkter Vorfahre, Vater von Eduard)
1945–1946

Forschungskontakt

Schreiben Sie.

Wenn Sie Dokumente, Photographs, Kirchenbucheinträge oder genealogische Informationen zu den Familien von Hertmanni, Byll, von Siegenhoven, Obergethmann, von Graß, von Oidtmann, de Merode, von Palant, von Hatzfeldt, von Velbrück oder verwandten Linien besitzen — bitte melden Sie sich.

Laufende Forschungsschwerpunkte: Bestand 1049 im Historischen Archiv Köln (Sommer 2026); Schönstein Urkunden Nr. 2715 (Landesarchiv NRW Westfalen); Dyck02 Nr. 216 (Vereinigte Adelsarchive im Rheinland, Brauweiler); Pellmann-Digitalisierung (ULB Düsseldorf). Forschungsreise nach Köln, Willich, Rommerskirchen und Sprockhövel: Juni/Juli 2026.

forschung@von-hertmanni.de

Florian Baptist Gypserdirekter Nachfahre der Familie von Hertmanni in der 14. Generation — lebt seit 2004 in Bangkok, wo er mehrere Unternehmen führt, darunter ein Lederwarenhaus im Chinatown-Viertel Songwat.

Seine Großmutter Ingeborg Obergethmann (Wien, 17. September 1927 — Bangkok, 27. Dezember 2021) liebte Thailand so wie er. Sie verbrachte ihre letzten Jahre in Bangkok und starb dort — in derselben Stadt, von der aus die Familienforschung heute betrieben wird.

Der Kreis schließt sich: von einem Kölner Ratsherrn 1613 bis Bangkok 2026. Vierzehn Generationen, ein Buch.

Die Forschung, das Archiv und das Buchprojekt werden betrieben durch DWNTWN Global Pte Ltd — ein in Singapur eingetragenes Unternehmen, das als IP-Holding und operative Basis für Florian Gypsers Projekte in Südostasien dient. DWNTWN Global hält die Rechte an dieser Forschung und am entstehenden Manuskript.

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